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Vorgestellt: Dr. Sophie-Kathrin Kirchner, Beirätin bei Goldkind
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Vorgestellt: Dr. Sophie-Kathrin Kirchner, Beirätin bei Goldkind

Auf Augenhöhe – das ist der wichtigste Therapiegrundsatz für Dr. med Sophie-Kathrin Kirchner, Beirätin bei GOLDKIND. Die Oberärztin in Augsburg verknüpft die Praxisarbeit mit umfassender Forschung. Im Interview erzählt sie, was wir als Gesellschaft brauchen im Umgang mit psychischen Erkrankungen.

Dr. med Sophie-Kathrin Kirchner. Copyright: Hannes Rohrer
Dr. med Sophie-Kathrin Kirchner. Foto: Hannes Rohrer

Der Weg in die Medizin war für Dr. med. Sophie-Kathrin Kirchner eher Fügung als Planung. Aufgrund ihrer Neigungen wäre auch ein Studium der Literatur- oder Theaterwissenschaft denkbar gewesen. Ihr Interesse, mit und für Menschen tätig zu sein, lenkte sie dann in das Medizinstudium an der Universität München. Ein Praktikum in der Kinder- und Jugendpsychiatrie wurde ausschlaggebend für die Entscheidung, die Facharztausbildung in Psychiatrie und Psychotherapie zu machen. Nach dem Facharztabschluss am Klinikum der Universität München wechselte sie an die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der neugegründeten Fakultät für Medizin der Universität Augsburg. Dort behandelt sie als Oberärztin schwerpunktmäßig psychische Erkrankungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Zugleich leitet sie die wissenschaftliche Arbeitsgruppe für Früherkennung und Frühintervention psychischer Erkrankungen. Als Lehrbeauftragte entwickelt sie für die Medizinstudierenden der jungen Augsburger Fakultät das Curriculum für das Fach Psychiatrie und Psychotherapie mit.

“Therapie auf Augenhöhe”

„Mir gefällt es, dass man in der Psychiatrie sehr individuell therapieren muss. Man muss die aktuelle Auslösesituation und die ganze Patientengeschichte erfassen und kann sich nicht nur auf einzelne Ausschnitte konzentrieren“, sagt sie. „Auf Augenhöhe“ ist ihr wichtigster Therapiegrundsatz. Nur so könne man mit den Patienten und Patientinnen zu partizipativen Entscheidungen kommen. „Das heißt, dass ich von Anfang an das Umfeld und insbesondere das System Familie in die Diagnostik und Therapie einbinde. Meine Aufgabe ist es, mein Wissen als Ärztin den Patienten und Patientinnen so mitzuteilen und verständlich zu machen, dass sie befähigt sind, kompetente Entscheidungen für sich zu treffen.“ Haltung und Bindung seien für das Gelingen der Therapie unerlässlich. Innerhalb der therapeutischen Beziehung ist sie deshalb verlässliche Ansprechpartnerin für die gesamte Familie. „Es geht hier niemals um Schuld. Eltern wollen eigentlich immer das Beste für ihr Kind. Manchmal können sie ihnen das aber aus verschiedenen Gründen nicht geben. Und dann entsteht ein Missverhältnis, wenn das Kind nicht das bekommt, was es für ein gesundes Aufwachsen benötigt.“

Der Brückenschlag von der Patientenversorgung zur Forschung kennzeichnet die Arbeit und den Werdegang von Dr. Sophie-Kathrin Kirchner. Schon während ihrer Ausbildung hat sie zahlreiche Forschungsstipendien erhalten, u.a. von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Derzeit ist sie an mehreren wissenschaftlichen Projekten beteiligt – darunter Untersuchungen zu psychotischen Störungen und Interventionen für Eltern von erkrankten Kindern.

Als Beirätin der GOLDKIND Stiftung für Kinder aus dysfunktionalen Familien wird sich Dr. Sophie-Kathrin Kirchner auf die wissenschaftliche Beratung konzentrieren. Dazu gehört vor allem die fachliche Unterstützung des Studienbereichs in der Bewertung aller Forschungsaspekte, die für die Stiftung relevant sind.

“GOLDKIND hat eine Kompassfunktion”

Daneben sieht Dr. Sophie-Kathrin Kirchner die Aufgabe von Goldkind darin, den Kindern niederschwellige und kindgerechte Hilfe- und Infoangebote anzubieten und ebenso den Eltern als niedrigschwellige Anlaufstelle zur Seite zu stehen, beispielsweise über eine Vernetzung mit weiterführenden Hilfesystemen. Auch Coaching, Beratung und Weiterbildung von Dritten sind wichtige Aufgaben. „GOLDKIND erfüllt hier so etwas wie eine Kompassfunktion zur ersten Orientierung.“

„Und das nicht nur für betroffene Kinder und Eltern, sondern auch in einem durchaus sozialen Gesamtzusammenhang“, wie sie sagt. Eine Entstigmatisierung – wie sie bei Brustkrebs oder HIV gelungen ist – sei gerade bei psychischen Erkrankungen dringend nötig. „Psychische Erkrankungen sind immer auch gesellschaftsrelevant. Sie wirken stets in die Gesellschaft hinein. Zum Glück ist für die junge Generation heute Mental Health sehr wichtig. Der Umgang mit psychischen Problemen kommt so ein Stückweit aus der Tabuzone heraus.“

Demnächst, so hofft Dr. Sophie-Kathrin Kirchner, wird eine persönliche Erfahrung ihren Blickwinkel auf das Thema der funktionierenden Familiensysteme ganz besonders erweitern: Die Psychiaterin erwartet derzeit ihr erstes Kind.

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