Wenn Muster das Leben schwer machen.

Was ist eine Persönlichkeitsstörung? Typische Anzeichen, welche Formen es gibt und wo du Hilfe und Unterstützung findest.

Wer Sorgen und Probleme mit Verhalten und Gefühlen hat, sucht sich das nicht aus und braucht Hilfe
Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Persönlichkeitsstörung – und welche gibt es?

Der Unterschied zwischen Menschen, die einen „schwierigen Charakter“ haben oder anstrengend sind, und Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung ist: Betroffene handeln, fühlen oder denken immer wieder auf eine Art, die ihnen selbst, ihrer Familie oder ihrem Freundeskreis Probleme macht. Dabei ist das für Leute, die betroffen sind, oft nur ein verzweifelter Versuch, mit den eigenen Gefühlen klarzukommen und eigene Bedürfnisse mitzuteilen und zu befriedigen. Doch das führt häufig zu Krach mit anderen oder sie kommen im Alltag nicht gut klar. Das können sie nicht frei entscheiden. Mit Therapie und Unterstützung kann es aber deutlich besser werden.

Wichtig: Kinder und Jugendliche müssen erst eine Persönlichkeit entwickeln. Unter 16 Jahren verändert sich noch so viel an Vorlieben und Eigenschaften, dass man den Begriff „Persönlichkeitsstörung“ vermeidet. Eine Persönlichkeitsstörung ist es erst dann, wenn man überhaupt in einem Alter ist, in dem der Charakter ausreichend gefestigt ist.

Wenn jemand immer Probleme mit anderen hat

1. Wie zeigt sich eine Persönlichkeitsstörung (PST)?

Typisch sind festgefahrene Verhaltensmuster: Zum Beispiel übergroßes Misstrauen, Schwierigkeiten in Beziehungen oder mit schwankenden Gefühlen. Betroffene leiden selbst oft am meisten darunter. Eine PST ist eine Erkrankung und nicht etwas, womit jemand anderen das Leben absichtlich schwer macht.

Diese extremen Denk- und Verhaltensweisen lassen sich nicht „einfach so“ abstellen. Darunter leiden Beziehungen, die Gesundheit oder die Leistung in Beruf oder Schule.

Von einer Persönlichkeitsstörung sprechen wir also erst, wenn jemand sich so verhält, dass das Miteinander und das tägliche Leben nicht mehr gut funktionieren. Dann wird geschaut, ob alle Lebensbereiche dieser Person betroffen sind, wie schwer sich das auswirkt und welche Merkmale zu finden sind.

2. Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es und was sind die Anzeichen?

Häufige Persönlichkeitsstörungen sind zum Beispiel:

  • Borderline: Gefühle und Beziehungen sind wie eine Achterbahn – schnell wechselnd,  schwer einzuschätzen und belastend.
  • Narzissmus: Man tut so, als wäre man die wichtigste und tollste Person von allen, macht andere klein, fühlt sich aber tief im Innern unsicher.
  • Paranoia: Man vertraut fast niemandem und hat oft Angst, dass andere böse Absichten haben.
  • Angststörung: Man fürchtet sich so sehr vor Ablehnung oder vor bestimmten Situationen, dass man Kontakte oder bestimmte Alltags-Tätigkeiten lieber vermeidet.

Hinter jedem auffälligen Verhalten steckt ein Bedürfnis, das Betroffene nicht anders zu erfüllen wissen, also z. B. der Wunsch nach Zuneigung. Die Art, wie sie das ausdrücken, sorgt für Probleme. Da dieses Verhalten aber in Fleisch und Blut übergegangen ist, ist es für Betroffene richtig harte Arbeit, sich zu verändern, sogar wenn sie es möchten.

Wichtig: Wer eine Persönlichkeitsstörung hat, sucht sich das nicht aus. Meistens kommt Mehreres zusammen: genetische Veranlagung, schlimme Kindheitserfahrungen, Verluste, ein Mangel an verlässlichen Bezugspersonen oder eine schwierige Lebenssituation. Jeder hat mal einen schlechten Tag, aber bei einer Persönlichkeitsstörung halten die Probleme lange an.

3. Was kann man gegen eine Persönlichkeitsstörung machen?

Reden hilft! Es ist sinnvoll, mit Vertrauenspersonen, Beratungsstellen oder Therapeut:innen über die Schwierigkeiten zu sprechen. Eine Therapie kann helfen, zu lernen, wie man besser mit Gefühlen und Gedanken umgehen kann.

Das Wichtigste: Es gibt für jede Form der Persönlichkeitsstörung Hilfe. Niemand muss allein damit klarkommen!

Für Freundeskreis und Familie: Grenzen setzen und trotzdem da sein, sich informieren, Rat suchen und über Gefühle sprechen.

Ernst nehmen, was ernst ist. Wenn du oder jemand, den du kennst, genau solche Schwierigkeiten hat, ist es wichtig, Hilfe anzunehmen – ohne sich schämen zu müssen. Bitte rede mit jemandem, dem du vertraust. Du musst das nicht allein schaffen. Sprich mit unseren Beraterinnen im Live-Chat