Wenn sich in der Familie alles um eine Person und ihr Ego dreht: Narzisstische Eltern erkennen.
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- aktualisiert am 12.07.2026
Wie erkennt man, ob jemand Narzisst ist?
Erst mal: Nicht jede Person, die an sich selbst denkt, bewundert werden will oder gern im Mittelpunkt steht, ist „narzisstisch“. Leider ist der Begriff quasi ein Mode-Schimpfwort geworden, wenn uns jemand auf die Nerven geht, alles besser zu wissen glaubt oder egoistisch ist. Genau das Gleiche erleben wir gerade mit dem Begriff „toxisch“. Wenn Eltern einmal etwas verbieten, werden sie immer öfter als „toxisch“ abgestempelt, obwohl sie nur das Beste für ihr Kind wollen.
Das Problem dabei ist: Wenn wir psychologische Ausdrücke oder Diagnosen als Beleidigung benutzen, verharmlosen wir psychische Störungen. Dann wird es für die Betroffenen noch schwerer, mit ihren Sorgen ernstgenommen zu werden.
Und eine kleine Prise Narzissmus ist gar nicht immer schlecht: Es ist gut, selbstbewusst zu sein und auch mal strahlen zu wollen. Aber wenn das so viel wird, dass man andere dafür erniedrigt oder fertigmacht, dann wird es ein Problem. Und zwar meistens für die anderen.
Wenn Eltern nur sich selbst sehen: Narzissmus in der Familie
1. Was bedeutet „Narzissmus“ wirklich?
Stell dir vor, jemand ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass er oder sie immer der/die Beste sein will. Sogar im Vergleich mit den eigenen Kindern. Die sollen gleichzeitig nach außen hin aber auch immer die Besten von allen sein. Wie eine Verlängerung oder ein Spiegel, der diesem Elternteil immer nur sein eigenes Bild zurückwirft.
Bei narzisstischen Eltern geht es oft nur darum, was SIE brauchen:
- Bedürfnisse von anderen? Unwichtig. Es zählt nur, was sie fühlen, wollen oder brauchen.
- Erfolge? Sind immer ihr Verdienst. Wenn ihre Kinder etwas schaffen, wird es gern als Leistung des Elternteils dargestellt.
- Fehler? Sind in den Augen narzisstischer Menschen immer die Schuld der anderen.
- Grenzen? Unbekannt. Ein „Nein“ wird meist ignoriert, Gefühle anderer Menschen nicht ernst genommen.
- Alles perfekt! Für das Image des betroffenen Elternteils ist es ganz wichtig, dass die Familie vor anderen perfekt dasteht.
Der Hintergrund von Narzissmus ist oft, dass sich die Betroffenen in ihrem Inneren klein, unzulänglich und wertlos fühlen. Der Narzissmus entwickelt sich dann wie eine Art Schutzschild oder Ritterrüstung. Leider geht dieser Schutz dabei so sehr in die Persönlichkeit über, dass es für Betroffene schwer ist, wieder aus dieser Rüstung zu steigen. Auch weil sie selbst gar nicht merken, dass ihr Verhalten andere belastet.
Folge: Alle anderen fühlen sich, als wären sie nur dafür da, um diese Erwartungen zu erfüllen – nicht, um sie selbst zu sein oder eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln
2. Woran erkenne ich narzisstisches Verhalten?
Häufig stecken psychische Probleme der Eltern dahinter:
„Ich bin der/die Größte“
Narzisstische Menschen übertreiben ihre Fähigkeiten und erwarten Bewunderung.
„Ich bin perfekt“
Sie reden viel darüber, davon, wie mächtig, erfolgreich oder perfekt sie sind oder sein werden. Oder wie perfekt ihre Kinder, ihre Familie sein müssten, um sie stolz zu machen. Das bedeutet auch: Kritik ist verboten und wird mit heftiger Ablehnung für sehr lange Zeit bestraft.
„Nur die Besten verstehen mich“
Sie glauben, sie seien „zu besonders“ für „normale Menschen“. Und behandeln andere, als wären sie „nicht gut genug“
„Mir steht alles zu“
Sie erwarten eine Sonderbehandlung – als wäre die Welt ihnen etwas schuldig. Nur ihre Bedürfnisse zählen.
„Da ist doch nichts dabei, wenn du das übernimmst“
Sie nutzen Beziehungen aus.
„Stell dich nicht so an“
Sie können oder wollen nicht verstehen, wie andere sich fühlen.
„Alle sind neidisch auf mich“
Sie denken ständig, andere wären neidisch – oder werten die Leistungen von anderen ab, weil sie eifersüchtig sind.
„Alle sind gegen mich“
Beim „verletzlichen Narzissmus“ ist der Egoismus ein bisschen getarnt, weil sich die narzisstische Person als Opfer darstellt. Dabei geht es ihr immer schlechter als anderen, sie ist extrem verletzlich, aber nur, wenn es um sie selbst geht. Dann ist diese Person nicht kurz mal beleidigt, sondern sehr lange tief verletzt und abweisend. Diese Menschen fühlen sich angegriffen, wenn andere Nein zu ihnen sagen. Wenn aber eine andere Person Hilfe braucht, sind sie keine Unterstützung.
Wichtig: Nicht jedes Anzeichen allein bedeutet gleich, dass jemand eine narzisstische Person ist – aber wenn du mehrere Anzeichen wiedererkennst und dich ständig klein, schuldig oder unsichtbar fühlst, könnte das ein Hinweis sein. Du kannst auch einmal unsere Checkliste zu Narzissmus durchgehen.
3. Warum verhalten sich manche Eltern so?
Hinter solchem Verhalten, auch wenn es oft großartig daherkommt, steckt oft eine tiefe Unsicherheit. Manchmal ist den narzisstischen Personen das selbst gar nicht klar. Sie sind so sehr mit ihrem Selbstbild beschäftigt, dass sie Liebe und Empathie nicht zeigen können.
- Sie brauchen Bewunderung, um sich wertvoll zu fühlen – und benutzen unter anderem ihre Kinder, um das zu bekommen.
- Sie können keine echte Nähe zulassen, weil sie selbst emotional verletzlich sind und sich deshalb davor schützen müssen.
- Sie übertragen ihre Wünsche auf ihr Kind: Es sollt werden, was sie gerne wären (oder nicht schaffen).
Dann geht es in der Familie nicht um Geborgenheit, sondern nur um die Bedürfnisse der narzisstischen Personen.
4. Was macht das mit Kindern?
- Das Kind ist nie „gut genug“ – weil diese Ansprüche unmöglich zu erfüllen sind. Außerdem ist es sehr schwer, immer besser sein zu müssen als alle anderen, aber ja nicht besser als die narzisstische Person.
- Gefühle des Kindes zählen nicht – es geht immer um die Stimmung, die Probleme, den Erfolg der narzisstischen Elternteile.
- Das Kind fühlt sich schuldig, wenn es Nein sagt oder widerspricht – dabei hat dazu jeder Mensch das Recht.
- Nach außen wirken Familien von narzisstischen Personen oft perfekt – aber zu Hause ist das Miteinander unglaublich schwer. Niemand sieht das Leid.
Wenn dir das viel zu bekannt vorkommt:
Du bist nicht schuld und kannst deine Eltern nicht „heilen“ – das müssten sie selbst tun.
Deine Bedürfnisse sind genauso wichtig wie ihre.
Du bist nicht schuld an den Problemen daheim.