Wenn zu Hause nichts so läuft, wie es sollte.
Was ist eine „dysfunktionale“ Familie, welche Folgen hat das – und wo bekommst du Hilfe? Du bist nicht schuld.
- 1 Min. Lesezeit
- aktualisiert am 14.07.2026
Was ist eine „dysfunktionale Familie“?
Probleme gibt es in jeder Familie mal. Aber wenn sie so groß und häufig werden, dass die Kinder darunter leiden, dann sprechen wir von einer „dysfunktionalen Familie“. Also einer Familie, in der das Zusammenleben (aktuell) nicht gut funktioniert, in der mindestens das Kind, oft aber auch die Eltern aktuell belastet sind.
Das Wichtigste: Daran ist nicht das Kind schuld!
Das Leben in einer dysfunktionalen oder belasteten Familie kann sich zum Beispiel so anfühlen:
- In der Familie gibt es oft Streit, Chaos oder Traurigkeit. Nicht alle Familienmitglieder fühlen sich geliebt und sicher.
- Zu Hause läuft viel schief und die Eltern sind nicht so für ihr Kind da, wie es das braucht.
- Ein Elternteil oder beide können sich nicht gut um die Kinder kümmern – nicht, weil sie böse sind, sondern weil sie selbst große Probleme haben.
- Eltern oder Geschwister sind oft wütend, unberechenbar oder abwesend. Deshalb fühlt man sich in der Familie manchmal unsicher oder allein.
Wichtig ist, dass sich das verändern kann und aus einer dysfunktionalen Familie wieder eine funktionale Familie werden kann, wenn sie gut unterstützt wird.
Immer wieder liest man in dem Zusammenhang das Etikett „toxische Familie“. Der Begriff ist sehr negativ und klingt, als würden Eltern mit Absicht ihrem Kind schaden wollen. Gerade für Eltern, die selbst eine schwere Zeit haben und sich deshalb nicht ausreichend kümmern können, ist das ein schlimmer Vorwurf. Deshalb wollen wir ihn nicht verwenden.
Wenn das Zuhause kein sicherer Ort ist
1. Was bedeutet „dysfunktionale Familie“ eigentlich?
In stabilen Familien gibt es klare Regeln, Respekt und Verlässlichkeit: Eltern sind für ihre Kinder da, Grenzen werden akzeptiert, Fehler sind okay. Doch in dysfunktionalen Familien ist das anders:
- Regeln? Fehlanzeige. Heute gilt das eine, morgen das andere – oder gar nichts.
- Grenzen? Werden ignoriert. Ein „Nein“ wird nicht ernst genommen, die Privatsphäre des Kindes nicht respektiert.
- Werte? Unberechenbar. Was „richtig“ oder „falsch“ ist, hängt von der Stimmung ab.
- Kommunikation? Ein Minenfeld. Das Kind weiß nie, ob es für dieselbe Sache gelobt oder bestraft wird.
Diese Familie ist dann kein sicherer Ort, sondern löst Stress und Verwirrung, Angst und Schuldgefühle aus.
2. Warum ist das so?
Häufig stecken psychische Probleme der Eltern dahinter:
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Narzisstische Züge: Ein Elternteil braucht ständig Bewunderung und sieht Kinder als „Verlängerung“ von sich selbst.
- Borderline-Symptome: Stimmungsschwankungen, extreme Wut oder eisiges Schweigen machen das Zusammenleben unberechenbar.
- Depression oder Sucht: Eltern sind nicht so für ihr Kind da, wie sie gebraucht werden, weil sie mit ihren eigenen Krisen, Problemen oder Gefühlen belastet sind.
- Trauma: Schlimme alte Erfahrungen, die nicht verarbeitet werden, z. B. Gewalt, Krieg, werden unbewusst von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben, weil nicht wissen, wie es anders oder besser gehen kann
Achtung: Das sind keine Ausreden für das Verhalten der Eltern – aber Erklärungen, warum manche Eltern nicht für ihre Kinder da sein können, auch wenn sie gerne würden.
Was macht das mit mir?
Kinder in solchen Familien machen oft ähnliche Erfahrungen:
- Sie übernehmen Verantwortung für Dinge, die nicht ihre Aufgabe sind (z. B. für die Gefühle oder Probleme der Eltern).
- Sie zweifeln an sich, weil sie denken: „Wenn ich nur perfekt wäre, würde alles besser.“
- Kinder passen sich an – um nicht aufzufallen und keinen zusätzlichen Kummer zu bereiten. Das Risiko dabei: Das Kind verliert sich selbst, kann seine eigenen Bedürfnisse nicht mehr spüren.
- Kinder trauen sich oft nicht, Hilfe zu suchen, weil sie denken, sie wären „undankbar“ oder würden „petzen“.
Diese Strategien helfen, kurzfristig zu überleben – aber langfristig machen sie unsicher, ängstlich oder wütend. Wenn Kinder denken, dass ihre Bedürfnisse nicht zählen, prägt sie das fürs Leben.
Wenn dir das bekannt vorkommt: Bitte rede mit jemandem, dem du vertraust. Hol dir Hilfe. Du musst das nicht allein schaffen. Sprich mit den Beraterinnen im Live-Chat
Du bist nicht schuld an den Problemen daheim.