Erfahrungsbericht einer 12-jährigen Schülerin
„Deine Mutter ist in der Klinik? Ist die verrückt oder was?“
- Erfahrungsbericht
- 13 Min. Lesezeit
- Veröffentlicht am 16.03.2026
Ronja (*Name geändert), 12, ist ein regelmäßiger Gast im Bezirkskrankenhaus Augsburg. In die Kindersprechstunde der Psychologin Livia Koller für Kinder von belasteten Eltern kommt sie seit fast drei Jahren. Hier erzählt sie von ihren Erfahrungen.
„Als ob man eine graue Brille aufhat.“
Trotzdem habe ich manchmal gedacht, ich bin schuld. In der Schule war ich relativ gut und machte auch sonst keine großen Probleme. Aber ich wusste ja nicht, ob ich nicht vielleicht doch irgendwas gemacht habe, was nicht okay war, was meine Mama verletzt hat. Heute weiß ich, dass sie Depressionen hat. Ich war erleichtert, als man mir das erklärt hat. Frau Koller hat mir erklärt, dass das behandelbar ist und dass man dagegen was machen kann. Danach habe ich meine Mutter auch mal gefragt, wie das so ist. Sie hat gesagt, es sei, als ob man eine graue Brille aufhat und alles nur noch grau sieht. Und dann konnte ich es ein bisschen besser verstehen. Sie hat auch gesagt, dass das wahrscheinlich von der Arbeit kommt.
„Meiner Mutter habe ich nichts erzählt – ich wollte nicht, dass es ihr noch schlechter geht.“
Erst in der weiterführenden Schule gab es Ärger. Dort haben manche nachgefragt, zum Beispiel: „Was arbeitet denn deine Mama?“ Ich habe dann geantwortet: „Die arbeitet gerade gar nicht, weil sie psychisch krank ist“. Dann kam meistens so was wie: „Oh nein!“ Das hat sich so komisch nach Mitleid angefühlt.
Leider bin ich in der jetzigen Schule in einer schwierigen Freundesgruppe, ein Mädchen hat mich geärgert, mir Strähnen abgeschnitten oder meinen Code fürs iPad verstellt, Sachen von mir in den Müll geworfen und so. Ich dachte, ich könnte ihr vertrauen. Dabei habe ich mich von ihr eigentlich nur ausnutzen lassen, ich habe ihr zum Beispiel immer die Hausaufgaben gemacht.
Zum Glück hatte ich da noch eine andere Freundin, die mich in Schutz genommen hat. Wegen der, die mich geärgert hat, war ich sogar mal eine Woche gar nicht in der Schule. Ich bin dann aber zum Glück zu meiner Klassenleitung gegangen und habe mit der geredet. Mit dem Mädchen, das mich geärgert hat, habe ich jetzt den Kontakt abgebrochen. Mittlerweile habe ich mich mit anderen angefreundet.